Fehler bei der Loveparade

Montag 9. August 2010 von Kurvensurfer

So langsam lichtet sich der Nebel und es wird erkennbar, wo die Fehler liegen, die zu der Katastrophe auf der diesjährigen Loveparade in Duisburg führten, bei der 21 Menschen Ihr Leben verloren haben. Und unstrittig ist, dass das starrsinnige Festhalten des Bürgermeisters an seinem Amt Ausdruck von jedem fehlenden Feingespür ist und ein völlig absonderliches Amtsverständnis dokumentiert. Daran ändert auch nichts, dass Herr Sauerland sich nun der Abwahl stellen will – zu diesem Verfahren ist er selbstverständlich verpflichtet und somit kann von einem Signal wohl kaum gesprochen werden.

Aber die eigentlichen Fehler passierten schon sehr viel früher – nämlich bei der Planung und der dafür zuständigen Verwaltungsebene. Aus eigener Erfahrung weiß ich sehr genau, wie so etwas abgewickelt wird. Der Veranstalter präsentiert ein erstes grobes Konzept der Stadt, die dann signalisiert, ob so eine Veranstaltung durchführbar sein könnte oder auch nicht. Also schon hier hätte man eingreifen können, aber da war der politische Wille die Loveparade nach Duisburg zu holen, schon sehr groß.

Bei der anschließenden Ausarbeitung des Konzeptes – und dazu gehören selbstverständlich auch Sicherheitskonzepte – sitzt die Stadt eigentlich immer mit am Tisch, denn die Verwaltung hat das letzte Wort und muss so eine Veranstaltung genehmigen. Dass der Veranstalter nach der ersten Anfrage natürlich nicht mehr von der Planung ablassen möchte, oder womöglich nach Alternativen schaut, ist verständlich.

Wenn ihm allerdings zu irgendeinem Zeitpunkt signalisiert worden wäre, dass die Stadt diese Veranstaltung mit dem vorgelegten Konzept nicht genehmigen würde, dann wäre man zwangsläufig zu dem Schluss gekommen, die Loveparade abzusagen. Da sich aber erfahrungsgemäß Feuerwehr und auch Polizei gerne hinter dem zuständigen Verwaltungsapparat der Stadt verstecken, wird es zwar mahnende Hinweise gegeben haben, aber immer mit dem Zusatz, dass sich diese Schwierigkeiten auch aus dem Weg räumen lassen. Da werden die Sicherheitskräfte letztlich schlicht übergangen. Dieses geschieht übrigens jeden Tag in Deutschland – nicht nur in Duisburg! Täglich finden Veranstaltungen statt, die allesamt genehmigungspflichtig sind. Bei genauerem Hinschauen wird man immer wieder Verstöße gegen Auflagen festsellen können – nicht zuletzt auch aus Kosten- und damit aus betriebswirtschaftlichen Gründen.

Eine Veranstaltung wie die Loveparade mit bis zu 1 Million Besuchern hätte niemals auf dem Gelände in dieser Form stattfinden dürfen – das Zu- und Abgangskonzept für die Besucher war schlicht ungeeignet und es war deutlich vorhersehbar, dass nur mit viel Glück nichts passieren würde. Nach meiner Meinung wurde sowohl von Verwaltungsseite als auch von Seiten des Veranstalters mutwillig mit dem Leben der Besucher gespielt und das gehört exemplarisch aufgearbeitet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen! Auch, damit wir zukünftig wieder ohne Risiko Openair-Festivals oder Volksfeste besuchen können …

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 9. August 2010 um 11:41 und abgelegt unter Gesellschaft. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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